November 2009
Marleni

Preussische Diven blond wie Stahl.

Marlene Dietrich trifft Leni Riefenstahl – ein Gemetzel

Glanzvoll ... Leni Riefenstahl möchte noch einmal einen Film drehen, natürlich mit dem grössten Filmstar, den Deutschland je hervorgebracht hat, mit der untergetauchten Marlene Dietrich. Beide Damen sind weit über 90 und doch klebt der Glanz und die Attitüde an ihnen bis zum letzten Augenblick. Leni klettert über einen Balkon in Marlenes Schlafzimmer.

Grössenwahnsinnig ... Sie schimpfen sich Nazihure und Amischlampe, wissen um ihre besten Zeiten und um ihre drohende Vergänglichkeit. Soll noch ein letztes Mal für etwas gekämpft werden, was längst vergangen ist?

Das theatralische Gipfeltreffen der beiden preußischen Diven Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl. Leni sucht Marlene für ihren letzten großen Film zu gewinnen, woraus natürlich nichts wird. Das nun folgende Gerangel der beiden, gesteigert in dramaturgisch gekonnt eingesetzten Stadien, ermöglicht Einblicke, mit denen die Autorin nicht nur gute Detailkenntnis der beiden Biographien offenbart, sondern auch ein großes Gespür für Lebensentwürfe und deren szenische Umsetzung.

Marlene Dietrich

MARLENI ist sauber recherchiert und voller Situationskomik. Und doch ist es mehr als gut gemachtes Boulevardtheater, nämlich intelligent zugespitzte Zeitgeschichte und Auseinandersetzung mit Politik, Kunst und Frauenrollen. (Der Spiegel)

1Der Text ist nicht nur Komödiantenfutter der verwegensten Art, er arbeitet wie nebenbei auch Geschichte auf: gescheit, aggressiv, ironisch.Diese rotzfreche Unbekümmertheit: daß Zeitgeschichte so locker abgehandelt wird, ist auf dem deutschen Theater eine Seltenheit.