November 2007
FRANZ KAFKA. DER PROZESS.

Theater mit dreigängigem Menü

Zeitgenössischer Tanz auf höchstem Niveau, Schauspiel, illusionistische Bilder und Klaus Schöch als abwesender, aber gleichzeitig in höchstem Masse präsenter Richter ergeben diese luziden Momente auf der Bühne, wofür ‚walk-tanztheater’ mittlerweile weit über die Landesgrenzen bekannt ist. Teil der Inszenierung ist das Servieren eines 3-Gang-Menüs der Feldkircher Spitzengastronomie ‚Restaurant Rauch’ inclusive Wein und Wasser.

Der dramatisierte Roman

Der Bankangestellte Josef K. wird eines Morgens von zwei Männern verhaftet und verhört ohne zu wissen oder zu erfahren, wessen er sich schuldig gemacht haben könnte. Er wird zwar wieder auf freuen Fuss gesetzt, lebt fortan aber unter Anklage, sein Prozess läuft. Während er vergeblich versucht herauszufinden, was ihm vorgeworfen wird, verstrickt er sich immer tiefer im alptraumhaften Labyrinth einer surrealen Bürokratie. Schliesslich wird er zum Tode verurteilt und von zwei höflichen Schergen erstochen – ‚Wie ein Hund!’

Kafkas ‚Process’ ist eine in düsterem Schwarzweiß gezeichnete Parabel auf die institutionelle Gewalt und ihre Willkür. Das Vertrauen des Menschen in eine der Welt zugrundeliegende, verläßliche Ordnung wird erschüttert. Und gleichzeitig bewegt sich diese meisterlich verfasste Tragik oft an der Grenze zur Komik und scheint sogar eine groteske Spielart des Lachens zu sein. Grosse europäische Literatur.

Ein kulinarischer Abend. Eine theatrale Annäherung. Ein Tanz um Aktenordner und Erotik. Makaber, lächerlich, kafkaesk.

REALISIERUNG
Regie: Hanspeter Horner/A
Ausstattung :Ursula N.Müller/D
Choreographie: Jacqueline Beck/FL
SchauspielerInnen: Brigitte Walk, Klaus Schöch, Helga Pedross, /alle A
Tänzerin: Yukie Koji/Japan, CH
Technik: Martin Beck, ton und bild/A